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Ich hatte den Traum, und heute darf ich ihn leben.

  • Autorenbild: @Nika
    @Nika
  • 14. Aug.
  • 16 Min. Lesezeit

Interview mit Falk Maria Schlegel | Powerwolf

auf dem Elbriot-Festival am 8. August 2026 in Hamburg


(c) Instagram Powerwolf | Elbriot Festival 2026
(c) Instagram Powerwolf | Elbriot Festival 2026

Powerwolf war dieses Jahr, 2026, Headliner in Wacken. Begeistert stand ich in der Menge und ließ mich von der Musik, der faszinierenden Show und der Interaktion mit der Band mitreißen. Bei der Frage „Wer von Euch hat uns noch nie live gesehen?“ musste ich leider die Hand heben. In Nahost hatte ich dazu bislang noch keine Gelegenheit. Und in meinen Gedanken sehe ich dann diese grandiose Show bereits vor den Pyramiden stattfinden. Eines aber verwirrte mich. Ich wußte, dass Powerwolf eine deutsche Band ist und Attila, der Frontmann, bedankte sich immer mit einem osteuropäisch klingenden „Vielen Dankeschön“. Ich war so neugierig, dass ich das recherchierte und lernte, dass das sein Markenzeichen war. Bei dieser Gelegenheit stieß ich auch auf die aktuellen Tourdaten und stellte freudig fest: Ein Wochenende nach Wacken, am 8. August, sollte Powerwolf in Hamburg auf dem Elbriot Festival auftreten. In diesem Moment war für mich klar – ich möchte ein Interview mit ihnen.


Bevor so ein Interview stattfinden kann, sind einige Leute involviert.


Veranstalter Hamburg Concerts, Band-Management und Tourmanager mussten Akkreditierung, Interviewfragen und Zeitslot klären. Am Festivaltag selbst klappte alles wunderbar. Ich wurde von Kevin Junker, dem Presse-Verantwortlichen, am Eingang abgeholt und in den Backstagebereich begleitet. Das Festival fand am Großmarkt in Hamburg statt und fühlte sich für mich wie Klein-Wacken an. Die gleiche Art Publikum, und selbst Mambo Kurt sorgte im Biergarten während der Bühnenumbauten für Unterhaltung. Wir waren etwas früh dran.


Auf der nahe gelegenen Bühne spielte noch die Band Orden Ogan, und für ein Interview wäre es zu laut gewesen. So wartete ich vor dem Container des Tour Managers und schaute dem Treiben im Backstage Bereich zu. Unter dem Sonnenschirm an den Biertischen saß Dom R. Crey, der auf dieser Powerwolf-Tour für den Gitarristen Matthew Greywolf einspringt. Der Artist-Bereich ist in der Regel der Ruhebereich für die Künstler. Daher habe ich meine Begeisterung zurückgehalten und ihn nicht angesprochen. Mitglieder der Band Savatage, die ihren Backstage-Bereich neben dem Tourmanagement-Container hatten, liefen an mir vorbei und grüßten mich freundlich. Das sind dann die coolen Momente als Journalistin.


Als es auf der Bühne ruhig wurde, holte der Tourmanager Falk Maria Schlegel zum Interview. Mein erster Eindruck „Boh, ist der nett“ wurde im Verlauf des Interviews bestätigt. Während ich meinen Laptop aufklappte, stellte ich mich kurz vor, um einen Einstieg zu finden. Immerhin treffen in so einem Interview zwei fremde Menschen aufeinander. Aber innerhalb weniger Minuten wandelte sich die Interviewsituation zu einem freundlichen und informativen Gespräch. Als erstes wollte ich von Falk mehr über ihre aktuelle Bühnenshow wissen.


Monika: Also, ich habe euch in Wacken auf der riesigen Bühne mit einer großen Inszenierung gesehen. Die Bühne hier ist ja ein bisschen kleiner als in Wacken. Aber Ihr spielt ja auch in großen Stadien und auf allen möglichen Festivals. Spielt ihr eigentlich noch kleine Clubkonzerte? Geht das eigentlich noch?


Falk: Aktuell nicht. Muss ich ganz klar sagen. Also wir versuchen natürlich schon unsere Produktion bestmöglich zu präsentieren. Man hat aber auch natürlich auch bei Festivals schon Einschränkungen wie beim Elbriot, weil einfach die Bühnentiefen nicht so da sind oder die -höhen. Kleine Clubs zu spielen ist grundsätzlich aber immer noch so etwas, wo wir sagen, da hätten wir mal wieder Bock drauf. Weil natürlich große Produktionen - das ist immer auch sehr viel Vorlauf. Und das ist natürlich alles irgendwie auch sehr viel - wie soll ich sagen - sehr technisch auch vom Aspekt her. Manchmal ist so eine kleine Bühne oder ein kleinere Produktion, wo es einfach nur ganz klassisch ist - das ist eine sehr ehrliche Show. Und wir behalten uns das auf jeden Fall mal auf so im Hinterkopf, so zu sagen: ,Hey, lass uns irgendwie kleine Shows spielen, die wir dann aber als Clubtour deklarieren.' Aber noch nicht. Wir wollen noch erstmal noch die großen Arenen versuchen zu füllen.


Monika: Aber wenn ich jetzt Veranstalter bin. Was muss ich als Veranstalter außer Geld mitbringen? Also kommt ihr mit allem mit Pyro und aller Technik - oder was muss ich als Veranstalter überhaupt mitbringen, damit ich Powerwolf buchen kann?


Falk: Also es gibt immer zwei Ansätze. Wenn du jetzt zum Beispiel eine eigene Tournee hast oder auf unsere eigene Arena-Tournee, da bringen wir eigentlich alles selbst mit - Pyro, alle Gewerke, Licht-Settings auch. Das heißt, da steht erstmal nur die nackte Bühne. Kommst du auf ein Festival, dann ist es halt so, dass unsere Produktion an die Festivalproduktion die Anforderungen stellt, für Licht und Ton und dem wird dann oft auch entsprochen. Wenn du aber kein Headliner bist, dann heißt es friss oder stirb.


Wenn du kein Headliner bist und sagst, ich möchte aber gerne noch dieses oder jenes, dann kriegst du das oft trotzdem nicht. Das ist aber auch nicht weiter schlimm. Weil das betone ich auch immer gerne bei der Band Powerwolf. Wir kommen von kleinen Clubs, wir kommen von klein auf und haben dort auch schon versucht, die Leute zu unterhalten, ohne Brimborium und ohne Produktion. Und das musste dir als Band auch immer gelingen. Wenn nur die Produktion der Star ist, dann finde ich es sogar schwierig. Da finde ich die Band dann mitunter sogar langweilig.


Weil ich auch am Rock am Ring dieses Jahr zu Gast war, habe ich einige große Bands gesehen und fand auch musikalisch vieles gut. Aber da war so eine Band, die hat sich in der Produktion und hinter der Screen-Programmierung sehr versteckt. Das kann man mögen, wenn man es kunstvoll sieht. Ich bin da ein bisschen anders gestrickt. Ich will am Ende des Tages die Band sehen. Und nicht nur die Lampe. Ich will auch keine Silhouette sehen. Das kann auch mal sein. Aber ich will am Ende des Tages den Sänger, den ich jetzt geil finde, den will ich sehen und ihm auch mal nah sein dem Künstler. Das ist mir sehr wichtig. Das ist auch der Ansatz von Powerwolf. Ich will dem Publikum nahe sein. Das heißt, unser Lichtdesign kriegt eine klare Ansage: Gesichter hell. Wenn es dann heißt: Wenn ich über die großen Lampen von vorne draufknalle, dann geht aber die Kulisse ein bisschen verloren, dann sage ich: ,Egal, die Leute müssen die Band sehen.' Und das finde ich extrem wichtig.


Monika: Das ist uns auch positiv aufgefallen.


Falk: Also wirklich auch der Dialog mit der Publikum. Das alles muss schon ins Konzept passen am Ende des Tages. Auch wenn der oben einen Witz reißt, wo du manchmal denkst: ,Hat er das jetzt wirklich gesagt?' Das macht es irgendwie auch sympathisch und auch nahbar. Und ich finde, das ist etwas, was mir besonders gut gefällt. Das ist aber auch so eine Sache, mit der ich groß wurde. Ich fand es immer spannend, wenn der Sänger eine Ansage gemacht hat, die vielleicht mal ein bisschen anders war oder auch mal ein Verhaspler drin hatte, die immer so ein bisschen Nähe gezeigt hat. Wo ich dachte: ,Oh, das macht mir Spaß.' Ich will nicht nur einen Song nach dem anderen hören wie das Album. Und deshalb finde ich manchmal Ansagen so unfassbar langweilig, wenn es heißt, das nächste Lied ist vom Album XY. Bitte nicht.


Monika: Ist das ein Unterschied für euch, ob ihr auf einer eigenen Tournee spielt, wo die Leute nur für euch kommen und ihr vielleicht noch ein, zwei Supportbands habt oder ob ihr auf einem Festival seid? Ist das ein Unterschied?


Falk: Das ist definitiv ein Unterschied. Wie soll ich das beschreiben? Auf so einem Festival wie Wacken, Summer Breeze und Co. gibt jede Band Vollgas. Jeder will abräumen, jeder will nach Hause gehen und sagen: ,Okay, jetzt hat der Headliner es schwer.' Ich meine, das haben wir auch immer so gemacht. Du willst dich so präsentieren, dass du nachsagst: ,Huh, wir haben es hier gerockt.'


Monika: Ist das nicht nach jeder Show so? Ist das nur nach Festivals so?


Falk: Ja, das ist so - du hast diesen kurzen Moment, wo du die Chance vielleicht nutzen willst als Band. Und natürlich merkst du dann auch, okay, jetzt musst du nochmal eine Schippe drauflegen. Jetzt musst du nochmal pushen, jetzt musst du nochmal mehr die Leute mitreißen. Jetzt musst du vielleicht auch Leute überzeugen, die dir nicht wohlgesonnen sind. So bei deiner eigenen Show ist es in der Regel schon so, da kommen Leute hin, die lieben uns. Und das ist aber auch ein Trugschluss, dass man dann glaubt, bei einer eigenen Show, es ist dann leichter.


Denn - wie soll ich das ausdrücken? Fans einer Band, Fans von Powerwolf, die wollen auch eine gute Zeit haben. Bei eigenen Fans musst du trotzdem da rausgehen, als wäre es quasi eine Show, wo du zum ersten Mal spielst.


Also man muss mit der richtigen Einstellung an die Sache rangehen und bei dem Wacken Open Air natürlich, du spielst Samstag abends, es ist schon eine Woche vergangen. Leute haben schon viel gestanden, schon viel Zeit verbracht, viel gefeiert und getrunken. Und dann ist schon die Frage, kriegst du noch einen drauf getoppt? Und auch bei einer eigenen Show darfst eben nicht denken, das geht von alleine. Du musst trotzdem irgendwie so abliefern, dass die Leute sagen: ,Ey, das war ja schon wieder so gut.'


Monika: Sind eigene Fans vielleicht auch kritischer als die, die euch nicht kennen?


Falk: Das kann ich gar nicht pauschal beantworten. Ich glaube einfach, der höchste Anspruch muss sein, es ist kein Selbstläufer, es geht nichts von alleine und nur weil viele hier sind, die alle irgendwie Powerwolf -Shirts tragen, wird die Show automatisch funktionieren. Du musst authentisch bleiben. Also wenn ich einen langweiligen Auftritt auf der Bühne mache, merkt das das Publikum.


Ich finde aber auch so, wenn ich selbst auf Konzerte gehe, brauche ich eine Band, die was ausstrahlt. Das muss jetzt nicht immer ein Acting sein wie Powerwolf. Aber es muss bedeuten: ,Ey, ich bin hier im Moment, ich gebe alles.' Wenn ich das Gefühl habe, ich will nur mein Zeug runterspielen, bin ich extrem schnell gelangweilt.


Ich war vor kurzem bei Sepulturas Abschiedstour in Saarbrücken. Da kommen die raus, die machen das auch schon seit 40 Jahren, weiß ich nicht. Und dann denkst du dir, alter Falter, da kommt einmal die Kreissäge durch das Gebäude und Bam. Das hat mich total abgeholt. Da schwingt keiner eine Fahne und da ist kein Mitklatsch-Part, aber da ist einfach so ein Bam. Wir sind hier. Das fasziniert mich total.


Tatsächlich hatte ich abends beim Powerwolf-Auftritt nicht das Gefühl, dass es eine Wiederholung des Wacken-Auftritts war.


Journalistin Monika Bremer mit Falk Maria Schlegel von Powerwolf
(c) privat: Monika Bremer, Falk Maria Schlegel

Zwar war die Bühnenshow etwas kürzer als in Wacken. Das war aber angeblich Hamburgs Sperrstunde geschuldet. So hatte die Band beispielsweise darauf verzichtet, Falk dem Scheiterhaufen auszusetzen. Ein Moment in Wacken, in dem ich nur dachte „Herrje, hoffentlich haben die feuerfeste Kleidung an“. Für Falks Feuer-Orgel und Attilas Feuerwaffen war auf der Bühne allerdings ausreichend Platz. Und die Interaktion mit dem Publikum ähnelte der in Wacken, war aber dennoch auf das Hamburger Publikum ausgerichtet. So waren dann beim gemeinsamen Singen die Security-Leute in Hamburg auch wesentlich stimmkräftiger, als die Fotografen in Wacken. Zumindest dort, wo ich jeweils stand.


Bei den Visuals auf den Screens musste ich dann an mein Gespräch mit Falk über internationalen Erfolg denken. Ob es wohl möglich wäre, Werwölfe und leicht bekleidete Mädchen in Nahost auf haushohen Bildschirmen zu präsentieren?


Monika: Ihr seid jetzt eine deutsche Band. Wann habt ihr denn gemerkt, dass ihr international funktioniert?


Falk: Relativ zügig, als wir zum ersten Mal nach Tschechien sind. Tschechien war so ein Land, was es uns direkt irgendwie sehr leicht gemacht hat, wo wir dachten: ,Hey, hier geht irgendwie auch was.' Frankreich kam als nächstes, dann Benelux. Wir hatten aber auch relativ zügig in Russland schon eine große Fanbasis. Da waren wir eigentlich schon von Anfang an. Leider geht das ja aktuell nicht. Und da haben wir in relativ kurzer Zeit auch schon Arena-Status erreicht, was sehr schade ist, dass wir das dann nicht mehr weiterführen konnten. Und irgendwie haben wir relativ zügig gemerkt, dass wir mit unserem Image, mit unserer Art, wie wir Musik schreiben, auch international gut ankommen. Wir haben uns aber trotzdem mit den USA recht lange Zeit gelassen. Das haben wir recht spät gemacht. Kurz nach Corona haben wir das zum ersten Mal gemacht. Und auch da gemerkt, da warten sie auch auf uns, es wird Zeit.


Ich finde, es ist wichtig, gerade für eine deutsche Band, nicht nur Deutschland zu spielen. Du musst raus aus deinem eigenen Land. Es ist nach wie vor unser erfolgreichstes Gebiet, nenne ich es jetzt mal. Aber irgendwie ist es auch gut, das Ausland zu haben und woanders zu sein, auch um Eindrücke zu sammeln. Und ich bin ganz froh, dass wir eine internationale Band sind und das auch weiter ausbauen möchten.


Monika: USA und Europa, das ist ja alles recht westlich. Jetzt geht ihr das erste Mal nach Japan, und ihr macht ja eine Metal-Messe letztendlich, also mit religiösem Thema oder auch antireligiösem Thema, je nachdem, wie man das halt sehen will. Glaubt ihr, dass ihr dort verstanden werdet, obwohl sie dort eigentlich nicht christlich sind, sondern wo sie vorrangig Shintó und Buddhismus haben? Glaubst du, dass es funktioniert?


Falk: Ja, ich glaube, dass man das vielleicht jetzt weniger aus diesem religiösen Aspekt sieht. Wir sind das ja auch nicht religiös im klassisch religiösen Sinne, sondern eher Liturgie und wollen diese ein bisschen umwandeln in was Positives. Katholizismus wird ja auch negativ und mit Angst besetzt. Und ich glaube, wenn man das einfach so als reine Show sieht, glaube ich, funktioniert es auch einfach über die Musik. Das ist ein interessanter Aspekt, dass die Religion da dort nicht so vertreten ist. Aber ich glaube, am Ende des Tages ist ja unser Credo: Metal ist Religion. Das ist ja übergreifend. Auch da haben wir den Hintergrund, auch da eine Produktion zu bieten oder auch eine Show zu bieten, die zumindest im Ansatz sich der europäischen Show annähert.


Monika: Wo spielt ihr dann - in Tokio wahrscheinlich, oder?


Falk: Eine Arena. Das ist eine 10.000-er-Halle. Die ist auch schon ganz gut verkauft. Also das ist schon eine Art Festival auch. Wichtig ist, dass wir jetzt diese Bühnengröße haben, die dem Ganzen so entspricht. Und dann gucken wir mal, was da passiert. Also ich weiß es nicht, aber ehrlich gesagt glaube ich schon, dass das ganz gut funktioniert.


Monika: Ist Nahost eine Region, wo ihr euch bewusst seid, dass ihr dort Fans habt in

den verschiedenen Ländern, und seid ihr in Kontakt mit den Fans?


Falk: Also uns ist das bewusst, aber so die Kontakte jetzt, um ein Konzert zu veranstalten, die ploppen immer mal wieder auf. Grundsätzlich sind wir da auch offen, aber es ist jetzt nicht so, dass wir ein Angebot auf dem Tisch hatten, wo wir sagen mussten: ,Wollt ihr, ja nein?' sondern es ist eher so - es ploppt mal was auf und dann leite ich das weiter und dann kommt aber auch nichts zurück. Vielleicht trauen die Leute sich nicht – also vielleicht auch so, wenn es hier gelesen wird, auch ein Aufruf: ,Tretet in Kontakt mit uns.'


Monika: Stell Dir mal vor, ich gäbe euch Flugtickets und eine Bühne – wo in der Welt würdet ihr hinfliegen?


Falk: Also wenn du mich fragst, dann eigentlich überall.


Monika: Ja, aber was ist deine Traumbühne. Wo warst du noch nie, wo du sagst, wenn ich da mal spielen könnte?


Falk: Ich war ja noch nie in Tel Aviv, ich war noch nie in Israel. Das wollte ich irgendwie auch immer mal bereisen. Das war so ein großer Traum von mir. Da gab es zum Beispiel mal einen Angebot. Das hat sich damals zerschlagen, ich kann das jetzt gar nicht mehr genau sagen. Und ganz offen, das hätte ich gerne gemacht, ehrlich gesagt. Ich glaube, zwei Shows, Tel Aviv und Jerusalem, das hätte ich gerne gemacht. Möchte aber auch kein Hehl daraus machen, dass ich mir da nicht ganz sicher war, ob unser Image und unser Credo vielleicht auch anstößig ist.


Monika: Wie wird das, was ihr inhaltlich rüberbringt, in verschiedenen Regionen und

kulturellen Kontexten interpretiert?


Falk: Thema Kontext, das hat mich grübeln lassen. Wir hatten diese Diskussion in Russland genauso. Naja, es gibt so fanatische Christen, die finden uns gar nicht geil. Die gibt es überall. USA hat das auch – da vorne standen Leute mit so einem Kreuz und so. Und dann habe ich mit dem russischen Veranstalter gesprochen und der meinte, ja, das ist in dem Fall gar nicht unbedingt der fanatische Christ, sondern eher so manche Regierungsleute, die dagegen sind.


Aber leider ist die Welt so nicht.


Und grundsätzlich finde ich es schade, egal in welchem Land man spielt, dass man sich darüber irgendwie Gedanken machen muss. Das ist ja am Ende des Tages die Kunst. Es geht ja nicht darum, das wir eine Aussage hätten wie: ,Komm zum Katholizismus' oder so, wir wollen zum Metal bekennen, das sagen wir ganz klischeehaft. Das war es auch schon. Ich muss mal wieder Russland zitieren. In Russland zum Beispiel, da habe ich Attila auf der Bühne mal geküsst, da hatte ich Bock drauf, haben wir gemacht. Das ist heute noch im Internet in Moskau. Hatte Rammstein auch gemacht. Es könnte uns aber Probleme machen. Da weiß ich nicht, was ist Wirklichkeit, was ist Klischee, und gleichzeitig denke ich: ,Ey Leute, können wir uns nicht einfach - ich weiß es ist naiv - aber können wir uns nicht einfach, zumindest mal im Kontext Musik, alle ein bisschen liebhaben? Wir können nachher wieder kontrovers diskutieren und vielleicht Dinge besprechen, aber hier, im Setting Musik und Kunst, lass uns eine gute Zeit haben.' Das wäre so mein Wunsch. Aber leider ist die Welt so nicht.


Aber wir haben eigentlich auch noch nie eine Anfeindung gehabt. Und wir sind oft in Klöstern unterwegs, wir nehmen auf in alten Kirchen, wir haben Fotoshootings. Und jeder, der mit uns in Kontakt tritt, merkt, dass das einfach nichts Verunglimpfendes, Beschämendes oder Beleidigendes ist. Das ist sehr wichtig.


Aber natürlich könnte ich verstehen, wenn man sagt, eine geschminkte Band will ich nicht in meinem Gebäude haben – ich weiß nicht, wie ich entscheiden würde, wenn ich Landlord wäre. Weißt du, wie ich meine?


Und ja - ich wusste genau, was er meint.


Ich kenne Musiker aus Nahost, die sich noch an Zeiten erinnern, als Metal-Konzerte schwierig waren. In einer Region, die sich Stabilität als Ziel gesetzt hat und immer wieder von politischen Ereignissen herausgefordert wird, kann sich eine Unruhe durch falsch verstandene Konzerte kaum leisten. Gottlob hat sich die Situation aber in den letzten Jahren deutlich zugunsten der Musiker und der Metalszene verbessert. Große Bands wie Metallica, die auf dem Soundstorm Festival 2023 in Riad Headliner waren, tragen wohl auch positiv dazu bei. Auch Wackens Band-Nachwuchswettbewerb, der Metal Battle, ist international aufgestellt und versucht, die Musik in den Vordergrund zu stellen – unabhängig von politischen Gegebenheiten.


Der Metal Battle ist eine Möglichkeit für junge Bands, ihre Karriere voranzutreiben. Wenn Musik Grenzen überwinden kann und der Metal Battle Bands international sichtbar macht, stellt sich die Frage, wie eine deutsche Band wie Powerwolf selbst zu einem internationalen Headliner wurde.


Monika: Gibt es etwas, wo du heute denkst, das hätte ich mir am Anfang der Band nie vorstellen können, dass das mal so wird?


Falk: Ich glaube, ich hätte mir nie vorstellen können, dass wir Wacken headlinen. Ich wollte als junger Pimpf unbedingt auf eine Bühne. Ich habe mir das immer vorgestellt, und ich hab mir das auch immer vorgestellt, dass ich den LKW selbst fahre.


Monika: Hast du?


Falk: Unseren LKW, den 40-Tonner, durfte ich mal fahren, über den Parkplatz. Das ist erledigt. Aber es war immer so: Ich habe Iron Maiden gesehen, '92 irgendwo, und dachte: ,Boah, ich will auf der Bühne stehen, vor so vielen Menschen spielen.' Ich kann nicht sagen, dass ich danach alles dafür getan habe, dass das passiert. Das war nur ein Traum. Und die Band war eigentlich immer so gestrickt: Wir geben immer unser Bestes, und dann gucken wir, was passiert, dann geben wir nochmal unser Bestes. Und das machen wir seit 20 Jahren so. Dann haben sich die Dinge entwickelt. Aber wir standen nicht 2004 und haben gesagt: ,So in 20 Jahren wollen wir Wacken-Headliner sein' und haben dann am Reißbrett den Weg dafür aufgezeichnet. Weil am Ende des Tages entscheidet das nicht die Band, sondern die Fans.


Und da hatten wir einfach glückliche Momente. Da hatten wir eine Tour mit Sabaton damals, es gab so eine neue Strömung im Power Metal, die wir auch ein bisschen mit erschaffen haben. Es war was Neues in der Szene. Sabaton haben einen neuen Weg geebnet. Es gab eine Fankultur, die sich da neu entwickelt hat, eine jüngere Generation ist nachgewachsen. Das war sehr wichtig.


Aber auch diese Konstante, als Band zusammenzubleiben - bis auf einen Besetzungswechsel sind wir immer noch die gleiche Band. Und wir haben einfach nie aufgehört, Gas zu geben. Also wir haben nie gesagt: ,Ach, jetzt habe ich erstmal ein Haus gekauft, jetzt muss ich das verputzen, ich kann diesen Sommer nicht spielen.' Sondern es hieß irgendwie, da kommt eine Tour - ja, machen wir. Könnt ihr das? Ja. Könnt ihr einspringen als Support? Ja. Wir haben teilweise noch unsere Jobs gehabt, sind sonntags zurückgefahren von der Show und haben montags auf der Arbeit gestanden. Also es war irgendwie diese Zielstrebigkeit, die Dinge zu nutzen, die sich einem bieten, jedes Jahr. Und dass das rückblickend dann so ist, wie es sich jetzt entwickelt hat, ist wunderbar, aber keine Selbstverständlichkeit. Das bedeutet, man muss immer noch weiter gute Arbeit leisten, Spaß an dem Ganzen haben, dass es keine Routine wird, und dann weiß man gar nicht, was passiert. Aber das ist so das, um auf deine Frage zurückzukommen: ,Ich hatte den Traum, und jetzt darf ich ihn leben.'


Monika: Ist diese Zielstrebigkeit das, was du jungen Musikern raten würdest?


Falk: Definitiv. Ich empfinde gerade bei den jungen Musikern oder bei den jungen Menschen das Gefühl, die sind sehr zielstrebig. Die haben richtig Bock, was zu machen. Die wollen nach vorne. Die wollen auch die Medien, die sich ihnen heute bieten, komplett nutzen. Ich glaube aber, vor drei, vier Jahren war das noch ein bisschen anders, wo ich schon das Gefühl hatte, es geht hier nichts voran, wenn du keine Plattenfirma hast. Ich glaube, da gibt es jetzt eine Generation, die sich gerade so sagt: ,Ich brauche niemanden, ich kann das alles selbst machen.' Das finde ich ziemlich beeindruckend.


Ich glaube, was alle so ein bisschen versuchen, ist natürlich, nach diesem Uniquen zu suchen. Aber das muss man auch nicht tun, nur damit man Erfolg hat, sondern du musst etwas haben, was deine Kunst ausmacht, dann kann vielleicht das Publikum das geil finden. Aber wenn du jetzt etwas versuchst, was könnte jetzt erfolgreich sein, was mache ich, um aufzufallen – dann finde ich das einen blöden Mainstream.


Monika: Ja, also Authentizität ist das, was es ausmacht?


Falk: Genau. Also du hast eine Idee, das ist dein Konzept, ob das nun neu ist oder nicht, das sei mal dahingestellt, und das verfolgst du konsequent. Und wir wollten einfach im Ansatz was machen mit Schminke, mit Outfit. Wir haben uns gepudert, mit Rot im Gesicht, das sah anfangs unmöglich aus, aber dann haben wir die Dinge weiterentwickelt. Das entwickelt sich ja immer weiter, aber das ist was, da haben wir Bock drauf.


Und ich als Keyboarder wurde oft auch beschimpft und belächelt. Habe auch einige negative Erfahrungen gemacht. Keyboarder in der Metal-Band, dann noch geschminkt, dann noch vorne am Bühnenrand, der versucht, die Leute noch zu animieren. Da war schon Hass da. Aber ich fand das ok, mich hat das eher angespornt. Also von daher, zum Thema Ratschlag: Ich glaube, die Zielstrebigkeit gibt es bei vielen, vielen jungen Bands. Ansonsten ist es einfach Authentizität.


Leider verflog die Zeit mit Falk viel zu schnell und wir mussten uns verabschieden.


Allerdings blieb noch ein kurzer Moment für ein gemeinsames Foto. In der später folgenden Show schaute ich mir Falk dann mit anderen Augen an. Mir fielen seine Worte ein. Wie weit kann man auf der Bühne gehen? Wo ist die Grenze zwischen Unterhaltung und Lächerlichkeit? Wie erreichen wir das Publikum? Ich fand die Show großartig und absolut authentisch. Freute mich über verschiedene Witze, sang lauthals mit und war begeistert, wie viele andere um mich herum. Denn eines war Powerwolf absolut anzumerken. Die Freude an der Musik, der Schalk im Nacken und der Spaß am Auftritt. Ich stand relativ weit vorne und beim Schlussapplaus zeigte ich ein Herzchen als Anerkennung für diese aus meiner Sicht großartige Leistung. Und ich bilde mir ein, Attila hat es gesehen und sich gefreut.


Kaum gingen die Lichter aus, wurde es auf der Bühne hektisch.


Ich blieb noch kurz stehen und sah zu, wie gefühlt eine ganze Horde an Stagehands die Bühne stürmten und in Windeseile die Bühnenelemente abbauten. Immerhin musste alles schnell verstaut werden - für die nächste Show gleich am nächsten Tag auf dem Alcatraz Festival in Belgien. Viel Erfolg für die restliche Tournee und „Vielen Dankeschön", Powerwolf. Es war mir eine Ehre, Euch kurz begleiten zu dürfen in diesem Sommer!


Zweitveröffentlichung in deutscher Sprache. Original in Englisch und Hebräisch in The Metalist (Link folgt).

 
 
 

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